Ein Startup allein kann die Wettbewerbsfähigkeit eines Energieunternehmens nicht sichern

Andreas Reichert

Im Rahmen der 24. Handelsblatt Jahrestagung in Berlin im Januar wurden digitale Geschäftsmodelle und die Energiewirtschaft betrachtet. Viele Politiker und Vertreter der Energieversoger besuchten die Veranstaltung, aber auch Startups sowie unser CEO, Manfred Tropper.

DEU, Deutschland, Berlin, 25hours Hotel Bikini, 24.01.2017: 24. Handelsblatt Jahrestagung "Energiewirtschaft 2017" - Future Leader Program, Energie neu denken [Foto: Wolfgang Borrs / EUROFORUM Deutschland SE; +49 (0)171 5332491; www.borrs.de, info@borrs.de]

 

Er wurde als Entwickler digitaler Geschäftsmodelle und Mitgründer von sieben Startups eingeladen, um zum Thema „Produktinnovation 4.0 – Wie Produktentwicklung auf digitalisierten Märkten neu gedacht werden muss“ zu sprechen.

Den Auftakt machte Gabor Steingart, Vorsitzender der Handelsverlagsgruppe, gefolgt von  Sigmar Gabriel, Vorsitzender der SPD. In ihrer Ansprache machten Sie deutlich, dass die politisch Einmischung nicht dazu führen dürfte, ineffiziente Technologien und Geschäftsmodelle zu fördern und vielmehr der Markt die Richtung vorgeben sollte.

Es stellt sich künftig die Frage, wie der Verbraucher sinnvoll zum Energielieferanten werden kann, ein Thema, das die gesamte Branche bereits seit einiger Zeit umtreibt. Zukunftsszenario ist zum Beispiel, dass während wir selbst im Urlaub sind, unser hauseigener Speicher den Nachbarn mitversorgt. Das führt dazu, dass Strom zum großen Teil nur noch über kleine Strecken transportiert werden muss und dadurch der Verbrauchspreis purzelt.

Durch diese Art der Energieversorgung steigen neue Produkte, Services und Geschäftsmodelle empor. Die meisten dieser Neuheiten stehen in enger Verbindung mit technologischen Herausforderungen der Digitalisierung.

Netze, Kraftwerke, Stromzähler und Kommunikationskanäle oder die Haussteuerung werden nach und nach digitalisiert. So manche Stadtwerke und Energieversorgungsunternehmen gehen bereits mit großen Schritten voran und wagen zum Teil auch mal neue Wege. Viele Unternehmen kooperieren mit Startups in der Entwicklung künftiger Geschäftsmodelle und schaffen dadurch neue Arbeitsplätze.

Eines unserer eigenen Startups, Oilfox.io, ist ebenso entstanden. Wir haben den intelligenten Füllstandsmesser für den Heizöltank gemeinsam mit einem großen Energieversorger entwickelt. Der Oilfox – ursprünglich als reines Konsumentenprodukt gedacht – optimiert die Lieferauslastung von Öllieferanten. Der Sensor misst mittels Ultraschall den Ölstand im Heizöltank der Endkunden und leitet die Bestandsangaben an den Lieferanten weiter. Diese können ihre Lieferkette sodann auf Basis der aggregierten Informationen deutlich optimieren.

Um ein solches Hardware-Produkt innerhalb kurzer Zeit auf den Markt zu bringen, müssen starre Strukturen und engstirniges Denken verhindert werden. Vielmehr muss man schnell Prototypen entwickeln und sich auch außerhalb der eigenen Branche umsehen.

Der Trend, eigene Intrapreneurship-Programme aufzubauen oder bestehende Startups zu kaufen ist hier nicht immer das geeignete Mittel. Intrapreneuren fehlt häufig der notwendige Entrepreneursgeist, aufgekaufte Startups verlieren den selbigen schnell, wenn sie erst mal von den Unternehmensstrukturen frustriert wurden.

Ein Startup allein kann die Wettbewerbsfähigkeit von Energieunternehmen nicht sichern, denn es ist sehr spezialisiert. Um für jede Spezialisierung ein Startup zu gründen fehlen aber Zeit und Geld, darum sollte das Unternehmen aus sich heraus Produkte entwickeln und diese nach Bedarf intern oder extern realisieren.

Wir bringen uns als Partner in der risikointensivsten Phase der Produktentwicklung mit unserer Expertise und Cross-industrial-Erfahrung ein. Auch in der Umsetzung sind wir häufig der bessere Partner, weil wir die Hinführung zum Produkt schon begleitet haben.

Auf welche Form der Zusammenarbeit die Energieversorger in Zukunft als best practice zurückgreifen, steht noch nicht fest. Wenn Sie jedoch nicht schnelle brachliegende Potenziale nutzen, könnte für viele von Ihnen in absehbarer Zukunft das Licht ausgehen.