Vielleicht sind Uber und Daimler in 15 Jahren ein Unternehmen, aber auf jeden Fall sind wir schon eine Branche

Jenni Schwanenberg

Während in der Presse vor allem #Escortgate und Daimler Chef Dieter Zetsches Schuhe diskutiert wurden, fand ich es beeindruckend, wie sehr alte und neue Welt mittlerweile zueinander gefunden haben. Die Manager der alten Welt tragen Sneakers und die Startups haben ihre Hoodies gegen Hemden getauscht, es wird sich auch auf deutsch geduzt, über Fonds und Investments geplaudert und hier und da zum Exit gratuliert.

Auch Oliver Samwer macht einen erwachsenen, gelassenen Eindruck. Den rüden Ton hat er gegen einen nur noch leicht sarkastischen eingetauscht und selbst der Moderator muss nur wenige und eher charmant, denn schnippige Antworten aushalten. Auch er gab zu, dass die Szene sich verändert hat. Man investiere mittlerweile auch Beträge von bis zu einer Millionen Euro in Startups, die außerhalb von Rocket Internet entstanden sind – und erkennt damit an, dass sein Unternehmen keinen Know-How-Vorsprung gegenüber anderen Playern mehr hat.

Nicht nur die Ohlala-Escort-Damen auf der Party am Mittwoch Abend machten deutlich wie sehr digitale Geschäftsmodelle mittlerweile aus den Gadgets heraus in die echte Welt wandern. Bei vielen Panels ging es um Lebensmittel, Batterien oder Matratzen. Es ging um B2B-Geschäftsmodelle und Banking.

 

These are not escorts, but female founders and executives: Jenni Schwanenberg (mantro), Sanja Stankovic (Hamburg Startups), Petra Vorsteher (smaato), Sandra Schaedel (Amazon)

Dies sind keine Escorts, sondern ein paar der wenigen weiblichen Teilnehmer: Jenni Schwanenberg (mantro), Sanja Stankovic (Hamburg Startups), Petra Vorsteher (smaato), Sandra Schaedel (Amazon)

 

Das Highlight am Mittwoch Abend wurde als Kampf der Giganten verkauft: Daimler-Chef Dieter Zetsche trifft auf Uber-CEO Travis Kalanick. Leider wäre jeder Kaffeeklatsch kontroverser gewesen. Weder Kalanick noch Zetsche standen eine echte Konkurrenz ein, “wir sind Frenemies” betonte Zetsche. Daimler ist an der Börse rund 64 Milliarden Euro wert – Uber derzeit mit rund 60 Milliarden bewertet. Für einen Teil dieser Bewertung ist Toyota verantwortlich, die im Mai investiert haben. Daimler hingegen will sich nicht beteiligen, “wir wollen wirklichen Einfluss in unseren Investments ausüben und 35 Milliarden Dollar werden wir dafür nicht in die Hand nehmen”, so Zetsche. Statt dessen hat Daimler vor kurzem MyTaxi komplett übernommen und sich am Limousinen-Service Blacklane beteiligt.

Kalanick betonte in seinem Vortrag die offensichtlichen Vorteile Ubers für die Stadt: Weniger Stau, weniger Emission, kein Parkplatzproblem. Zetsche pries Daimlers Fortschritte zum autonomen Fahren an. Wenn wir diese Vision weiter spinnen, wird plözlich auch Daimler Verkehr mit weniger Stau, weniger Emission und ohne Parkplatzproblem anbieten können. Vorausgesetzt natürlich, dass unsere Politiker es jemals schaffen werden die rechtlichen Hürden auf Sprunghöhe anzupassen.

In sofern handelt es sich hier wohl tatsächlich mehr um ein Wettrennen, denn um einen Boxkampf. Auf die Frage welches Unternehmen in Zukunft das größere sein werde, antwortete Zetsche entspannt und offen:

„Vielleicht sind wir in 15 Jahren ein Unternehmen.“

Eben dieser Satz hätte Leitspruch der Konferenz sein können, denn wo man vor wenigen Jahren noch gegeneinander kämpfte, gehen – zumindest in Deutschland – Corporates und Startups heute gemeinsame Wege und schaffen es damit ihre Stärken auszubauen.